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Eine kleine Anektode vom Glühweinstand

Samstagmorgens um 9:00 Uhr.

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Glühwein –Toni macht seine Bude auf. Bald schon bildet sich eine Traube von unverwüstlichen und unheimlichen Glühwein-Experten, die nicht nur des alkoholhaltigen Heißgetränks kommen, sondern auch die besondere Athmosphäre am Stand brauchen und auch wissen, daß sich hier alles trifft. Vom kampferprobten Punsch-Vernichter Stumpl mit seinem Glühweinsuchhund Susi bis zum Herrn Doktor. Die Themen reichen von der Wettervorhersage über die Vorausschau ab wann man eventuell besoffen ist bis zur höheren Weltpolitik.

Die Uhr zeigt 11:00 . Glühwein-Toni wollte den Samstagmorgen ruhig angehen lassen, aber man gibt ihm keine Chance. Obwohl ich glaubhaft zu versichern versuche, daß der Glühwein länger als bis 12:00 Uhr reicht.

Mit Hallo wird eine junge blonde Frau mit Plastiktüte in Empfang genommen. Sofort läßt sie erkennen , daß sie keine Zeit hat, der Mann daheim auf das Kind aufpaßt und sie nur schnell was einkaufen muß. "Schbinnsd etz, a Dass`n gäit scho" "Obber blous anne, wer zohlds nou". Ein Gönner drängt sich vor. Weitere werden folgen. Tiefschürfende Gespräche werden geführt, die abrupt verstummen, als ich frisches Wasser zum Gläserspülen hole. "Dou schau hie, etz douder an neier Schdoff osetzen, dou kemmer nu zwa oder siem drinkn, etz langder". Auch die junge blonde Frau mit Plastiktüte (immer noch leer) muß dieser verhängnisvollen Aussage voll zustimmen.

Weitere hochgeistige und hochprozentige Gespräche folgen. Der kleine Uhrzeiger steht auf der 2. "Etz is scho wurschd a, mei Older dahamm der konn a amol aff den glann Zwedschga aufbassen und rausgfressen isser a rechd, dou langd amol a Budderbrod, wer gibbdn an aus?". Die einzelnen Themen, die nun so besprochen werden, kann ich stellenweise nicht mehr so ganz verfolgen, geschweige denn verstehen. Auch auf eine aufrechte Haltung wird bei manchem kein so rechter Wert mehr gelegt. "Des Zeich is hold a immer su goud und su schäi is hald a immer dou". Und mir gefallen meine Laufer auch immer.

Es geht auf 4:00 Uhr zu, und der Frühschoppen-Stoßtrupp zerfällt schon langsam in seine Einzelteile. Die leere Plastiktüte, mit junger blonder Frau dran, versucht unbeschadet den viel zu engen Marktplatz und das noch engere Hersbrucker Tor zu überwinden, was durch große Disziplin und äußerste Anstrengung, abgesehen von kleinen Karambolagen, nach Auffassung der anderen Mitkämpfer meisterlich gelingt. Ein paar von den Nachmittags-Kampftrinker können es zwar jetzt noch nicht begreifen. "Wäi mer ner su saffn ko". Das gleiche wird die Glühwein-Spätschicht nicht begreifen können.

Ich freue mich schon wieder auf meine Laufer Nobelpreisverdächtigen Fach – Experten.
EUER GLÜHWEIN-TONI

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